Der Lohn Gottes war Hilla,  Friedel und Karl Heinz in der Tat  beschieden. Schon am nächsten  Vormittag erfuhren sie von Tante  Trude, Engelberts Mutter, dass deren  Sprössling seit den frühen Morgen-  stunden mit vehementer Beharrlichkeit  Bettpfanne und Kotzeimer gleichzeitig  bedient hatte. Aber vor ihrem Weg-  gehen, so berichtete Trude, habe  Engelbert schon wieder genüsslich  eine Stulle mit Griebenschmalz vertilgt.  "Nein ...", sagte Christine  kopfschüttelnd und mit gespielter  Fassungslosigkeit, "... was es nicht  alles gibt." Dabei sah sie Carl mit  einem Gesichtsausdruck zwischen  Besorgnis und Schadenfreude an. Um  einen Anflug von Lachen zu verber-  gen, führte Carl blitzschnell seine  Hand an die Stirn, als müsse er  angestrengt nachdenken. "Na ja, ...",  sagte er schließlich, "... was die Pänz  nicht umbringt, stählt sie fürs Leben." P.S.: Unser Cousin Engelbert erfreut  sich heute bester Gesundheit, genau  wie meine Geschwister Hilla, Friedel  und Karl Heinz. Bei einem  Familientreffen letztes Jahr im Advent  feierte er seinen neunundsechzigsten  Geburtstag. Nur als zum Höhepunkt  des Abends ein von spauzelnden  Wunderkerzen beleuchtetes Knusper-  häuschen in den Saal getragen wurde,  wechselte Engelbert von einer  Sekunde auf die andere seine  Gesichtsfarbe und suchte fluchtartig   das Weite. Karl Heinz und ich  wechselten einen vielsagenden Blick.  Reinhard, ein junger, angeheirateter  Neffe aus der Seitenlinie mütterlicher-  seits, schaute dem Flüchtenden sor-  genvoll hinterher.  Reinhard ist Mediziner, genauer gesagt  Psychiater und überzeugter Freudia-  ner. "Eigenartig", murmelte er, "Also,  wenn Ihr mich fragt, ist da mit  ziemlicher Sicherheit ein trauma-  tisches, frühkindheitliches Erlebnis im  Spiel." "Alle Achtung, mein Lieber",  bemerkte Friedel anerkennend.  "Volltreffer", ergänzte Hilla.  Konrad von Soest: Geburt Christi, 1404, Altar in der Stadtkirche zu Niederwildungen